Blowin‘ in the wind


Kurzfassung, 30 Sekunden


Lange Version, 5 Minuten

„Blowin‘ in the wind“

Kategorie: Kunstmaschine
Entstehungsjahr: 2021
Maße: 330 – 500 – 150 cm

Die kinetische Installation „Blowin‘ in the wind“ bildet eine Art „Theater des Lebens“ ab – mit allerlei Anspielungen auf Wertmaßstäbe, Machtverhältnisse, Ideale, Moralvorstellungen. Zahlreiche Zeugnisse vergangener Tage führen einen oftmals unauffällig vollzogenen Wertewandel vor Augen und halten hier und da einen imaginären Spiegel für uns bereit. Ähnlich den rhetorischen Fragen in Bob Dylans Song „Blowin‘ In The Wind“ von 1962 stellt das kinetische Konstrukt mit all seinen neu inszenierten Bestandteilen eine Menge Fragen in den Raum.
Ein axialer Fächerventilator und die Gebläseschaufeln einer Windfege (Rotationsworfelmaschine), die einst wortwörtlich die Streu vom Weizen trennte, sorgen für eine effektive Luftumwälzung, Antworten liegen deshalb aber noch lange nicht in der Luft. Jede und jeder Betrachter*in ist eingeladen, sich selbst den Fragen zu widmen, die sich in diesem theatralischen Potpourri verbergen könnten – und eigene Antworten zu finden. Dabei ist das Schmunzeln über absurde und skurrile Entdeckungen ebenso erwünscht wie das kritische Hinterfragen einzelner Elemente, die teilweise nur im Kontext der gezielten Gegenüberstellung eine Aussage treffen und zunächst enträtselt werden müssen.

Kunstmaschine „Blowin' in the wind“ mit schwarzem Hintergrund

Die lebhafte „Schaubühne“, konstruiert aus einem Rollgerüst aus Pitchpine (Pech-Kiefer) als Basis, steht auf einer Plattform aus hölzernen Paletten mit Eisenfüßen. Innerhalb des hölzernen Gerüsts erfolgt eine ungewöhnliche Zusammenstellung von Dingen, die kreiselnd, tänzelnd, nickend, wippend und im Luftzug sanft wedelnd ein stimmiges Miteinander bilden, in dem warme Farbtöne überwiegen: Kölsch-Fässer, Transmissionsräder, textile Polierscheiben (uni und mit Dekor), die sinnfrei die Luft wienern, ein gut gereifter holländischer V.S.O.P.-Käse („very special old pale“, aber nur als Attrappe), eine Passevite („Flotte Lotte“), verschiedene Herrenhüte (Glatt- und Wildleder, Filz und Geflecht, Modell „Panama“) und Damenhüte (Karakullammfell „Persianer“ und Pelze). Zwei zierliche Damen-Torsi (Schaufensterpuppen) mit Fellkragen führen einem ledernen Reiterstiefelpaar gegenüber einen arglosen, vielleicht auch frivolen Tanz auf. In einem zweietagigen Papierabroller rotieren Packpapier und Transparentfolie um die eigene Achse. Entlang der Rückseite des hölzernen Rollgerüstes ziehen 22 Hosenklemmbügel („Hosenkönig“, „Der Jägerwinkel“ und „Union 3“) ziellos ihre Bahn; Spannbügel aus Buchenholz (häufig mit roter Filzeinlage) als Sinnbild eines gepflegten Erscheinungsbildes mit eingebügeltem Stoffbruch, der dem „bis dahin lose herabfallenden Beinkleid Straffheit“ verleiht: „Käufer, die Wert auf eine Bügelfalte legen, messen die Qualität einer Hose an der Dauerhaftigkeit bzw. der Schärfe der Bügelfalte.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bügelfalte)

Schattenbild der Kunstmaschine „Blowin' in the wind“

Neben einem amüsanten, dezent spöttelndem Fingerzeig auf ein akkurates Outfit mit Bügelfalte, fehlt es nicht an Anspielungen auf Krieg, Verteidigung, Streitkräfte: In einer dunkelbraun emaillierten Milchkanne rotiert ein üppiger Strauß aus Schwertlilien; die auch als „Iris“ bekannte Pflanze steht für Kreativität, Beständigkeit und Treue. Diese Milchkanne wurde nach Ende des 2. Weltkrieges aus einer Geschosshülse gefertigt. Rechts und links des Rollgerüstes erweitern zwei Sackkarren die Installation in den Raum hinein. Auf diesen Sackkarren drehen sich große „Thermokübel“ aus Beständen der ehemaligen Nationalen Volksarmee (NVA).

Die komplexe Rauminstallation „Blowin‘ in the wind“ birgt Erinnerungen, weckt Assoziationen, löst Empfindungen und Reaktionen aus und nimmt uns mit auf eine Entdeckungs- und Gedankenreise; mal erheiternd, mal irritierend, mal mahnend, mal ironisch, mal ulkig, mal ernst. Alles in allem ein turbulentes Treiben, bewegt und bewegend!

Kunstmaschine „Blowin' in the wind“ im Luftmuseum in Amberg, Oberpfalz

Die Kunstmaschine „Blowin‘ in the wind“ war in der gleichnamigen Einzelausstellung vom 30. April bis 31. Juli 2022 im LUFTMUSEUM im LUFTKUNSTORT AMBERG zu sehen.

Vom 2. Oktober bis 6. November 2022 war diese Installation Bestandteil des deutsch-israelisch-palästinensischen Ausstellungsprojektes „Echo of Memories“ im KÜNSTLERFORUM in BONN.